Darum ist Deutschland schön
Freddy Dutz · 9. Oktober 2026
Hamburg. Oktober 2026. Manche Leute lieben weiße besonnte Strände, andere beschneite Berge und wiederum andere ziehen endlose Wüsten mit heißen Tagen und kalten Nächten allem anderen vor.
Doch viel wichtiger als das Wetter sind eigentlich andere Kriterien: Ob jede und jeder reisen darf, wie es ihr oder ihm gefällt. Ich meine: nicht nur wegfahren, sondern ob man auch zurückkommen darf? Gibt es eine einklagbare Sicherheit im Privaten und im Geschäftlichen? Kann man sich gegen Behördenwillkür wehren? Ist das Eigentum geschützt? Existiert ein grundsätzliches Bewusstsein für eine saubere Umwelt in der Gesellschaft? Und sind alle gegenüber anderen Staatsbürgerinnen und -bürgern gleichberechtigt? Wenn das so ist: Dann ist Deutschland schön.
Ich gebe zu, das Land ist nicht perfekt. Kein Wunder, denn Menschen wie du und ich wohnen da. Aber das viele Klagen, Meckern, Nölen bringt niemanden weiter. Dabei geht es den meisten faktisch besser als je zuvor.
Ich bin das Wehleidigsein und das Heulen leid.
Damit sich etwas ändert, versuche ich im Alltag ein freundliches Gesicht zu machen und merke: es steckt anscheinend an. Fremde Menschen schauen lächelnd zurück. Ich gebe Fremden die Möglichkeit, nett zu sein: Jüngere Leute im Bus bitte ich, für mich aufzustehen. Viele tun es gerne. Und ich widerspreche denen, die Unsinn, oder schlimmer: Lügen, erzählen: „Nein, das stimmt nicht!“ Oft geht es gar nicht um Fakten, sondern die Litanei wird so unterbrochen. Manchmal ergibt sich daraus sogar ein Gespräch. Nein, ich bin keine Heldin. Es gibt Situationen, da gehe ich weg. Oder ich spreche die Stummen, die unangenehm berührt vor sich hingucken, an.
Deutschland ist schön. Gemäßigt im Wetter – verglichen mit anderen Regionen. Mag sein, dass gemäßigtes Klima gemäßigte und langweilige Gedanken befördert. Die sind gut auszuhalten, wenn das der Preis für Demokratie und Rechtssicherheit ist. Da kann ich auf Postkarten-Wetter verzichten.
„Und über den Klimawandel schweigst du!“, wirfst du ein. Was soll ich sagen? Es gibt ihn. Übrigens schon länger. Wir haben die besten Ingenieur:innen, die ideenreichsten Entwickler:innen, die schlausten Konstrukteur:innen. Sie helfen uns, Maßnahmen zu ergreifen, um die technischen Probleme zu lösen. Damit sie gehört werden, brauchen wir demokratische Strukturen. Die helfen, uns selbst und das, was wir haben, zu schützen. Damit das klappt, müssen wir uns ändern. Im Privaten und in unserem Wirtschaften, so wie der Rest der Welt auch. Davor ist mir nicht bange. Denn wir haben schlaue Leute im Lande.
Weil wir die Probleme erkannt haben, die Lösungen vor uns liegen, und die Natur uns so begünstigt, deshalb ist Deutschland schön.